9.000 Kcal pro Kilogramm Fett?

Gleich zu Beginn meiner Diät habe ich natürlich mit dem Kalorien-Zählen begonnen. Während ich die Überprüfung dieser Angabe zuvor völlig aus den Augen verloren hatte, war es nun ein wichtiger Bestandteil meiner täglichen Ernährung. Nun weiß man ja, dass ein Mensch durchschnittlich zwischen 2.000 und 2.500 kcal pro Tag umsetzt, wenn er nicht zusätzlich nennenswert Sport treibt. Bei mir dürfte dieser sogenannte Arbeitsumsatz etwa 2.400 kcal betragen (zur näherungsweisen Berechnung des Kalorienverbrauchs komme ich noch in einem späteren Beitrag). Wenn ich also abnehmen möchte, ohne Sport zu treiben, darf ich an einem durchschnittlichen Tag weniger als 2.400 kcal aufnehmen. Doch angenommen meine Energieaufnahme pendelt sich bei 2.000 kcal am Tag ein, wie lange dauert es dann bis ich mein Ziel erreicht habe? Bei mir handelte es sich um mehr als 60 kg, daher war diese Frage ganz entscheidend: Wie viel Kalorien entsprechen 1 kg Körperfett?

Also habe ich mich online informiert und stieß zunächst auf diese Zahl: um 1 kg Fett zu abzubauen, müssen 9.000 kcal verbrannt werden. In meinem Fall hieß das also, ich könnte 1 kg Fett pro Woche verlieren, wenn ich am Tag nur noch etwa 1.100 kcal zu mir nehme. Nach dieser Rechnung würde ich ohne nennenswerten Sport also 60 Wochen lang (ca. 14 Monate) nur halb so viel Kalorien zu mir nehmen dürfen wie mein Körper eigentlich verlangt. Ein Alptraum.

Dass dem letztendlich nicht so war und ich mein Zielgewicht bereits nach 9 Monaten erreichte, liegt an mehreren Faktoren. Zum einen war mir ohnehin klar, dass abnehmen ohne Sport nicht ernsthaft zu machen ist. Es würde viel zu lange dauern bis sich Erfolge einstellen und die reduzierte Nahrungsaufnahme über diesen langen Zeitraum klang nicht motivierend. Daher habe ich von Beginn an viel Sport getrieben (siehe meine kleine Artikelreihe zum Thema “Sport zum abnehmen“) und somit meinen täglichen Kalorienverbrauch deutlich erhöht.

Darüber hinaus sind die erwähnten 9.000 kcal pro Kilogramm Fett nicht ganz exakt. Der physiologische Brennwert von 1 kg Fett liegt tatsächlich bei 39.000 KJ, also etwa 9.000 kcal. Der physiologische Brennwert von Nahrungsmitteln gibt die spezifische Energie an, die bei deren Verstoffwechselung (Zellatmung) im Körper eines Organismus verfügbar gemacht werden kann (Quelle: Wikipedia). Allerdings besteht das menschliche Fettgewebe nicht zu 100% aus reinem Fett. Daher liegt der Energiegehalt von Fettgewebe eher bei 7.000 kcal pro kg. Das ist zwar immer noch viel aber schon weniger.

Hinzu kommt, dass beim Abnehmen nicht nur Fettgewebe abgebaut wird, sondern auch Muskelmasse und Wasser. Die Muskelmasse macht nicht sehr viel aus aber bei einer langen Diät kommen hier auch einige Kilogramm zusammen. Vor allem aber Wassereinlagerungen im Gewebe werden zu Beginn einer Diät abgebaut.

So kommt es, dass gerade stark übergewichtige Menschen innerhalb kurzer Zeit schon viel Gewicht verlieren können. Bei mir waren es in den ersten 14 Tagen schon 10 kg. Danach hat sich mein wöchentlicher Gewichtsverlust für eine ganze Weile bei 2,5 kg eingependelt. Mit der einfachen Rechnung 9.000 kcal pro Kilogramm wäre dies gar nicht möglich gewesen. Dann hätte ich nämlich pro Tag 3.200 kcal mehr verbrennen als aufnehmen müssen. Je weiter die Diät fortschreitet, desto weniger Gewicht kann in einem bestimmten Zeitraum abgenommen werden. Das motiviert dann zwar etwas weniger, ist aber völlig normal. Dann sind überschüssige Wassereinlagerungen abgebaut und auch etwas Muskelmasse ist verloren gegangen. Dann geht es nur noch um das Fettgewebe und jedes Kilo davon hat immerhin einen Energiegehalt von 7.000 Kilokalorien.

Uber den Autor

Patrick schrieb 62 Artikel für GesünderLeben.org

Patrick ist Inhaber dieser Website. Auf gesuenderleben.org schreibt er darüber, wie er etwa 60 kg abgenommen hat, zum Vegetarier wurde und nun viel Sport treibt, um sein Gewicht zu halten (z.B. Halbmarathons laufen).

Eine Antwort zu "9.000 Kcal pro Kilogramm Fett?"
  1. Antworten Andreas 2. Dezember 2011 00:43 am

    “Hinzu kommt, dass beim Abnehmen nicht nur Fettgewebe abgebaut wird, sondern auch Muskelmasse und Wasser. Die Muskelmasse macht nicht sehr viel aus aber bei einer langen Diät kommen hier auch einige Kilogramm zusammen. Vor allem aber Wassereinlagerungen im Gewebe werden zu Beginn einer Diät abgebaut.”

    Auch wenn die Rechnung mit den 7000kcal zwar richtig ist sehe ich in dieser Aussage einen sehr großen Fehler. Der Muskel ist mit der größte Energieverbraucher, den der Körper besitzt. Eine Abnahme von Muskelmasse bringt also immer auch eine Abnahme des Grundumsatzes mit sich, verschlechtert also die Bedingungen zur Gewichtsabnahme noch weiter. Gerade beim Abnehmen sollte weniger auf die Waage als auf das tatsächliche Aussehen geachtet werden. Auch hier wirkt Muskelmasse natürlich formend. Einen Abnehmerfolg also unter Verlust von Muskelmasse zu tolerieren oder ihn sogar noch gut zu heißen halte ich für sehr bedenklich.

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