Good Food Bad Food
Am Donnerstag ist der Film “Good Food Bad Food” in den deutschen Kinos angelaufen. Da ich mich derzeit für Filme, Reportagen oder Bücher rund um das Thema gesunde Ernährung sehr interessiere, habe ich ihn mir gestern gleich angesehen. Es handelt sich dabei um eine französische Produktion von der Regisseurin Coline Serreau.
Eines schon mal vorweg: der Film ist wesentlich unaufgeregter als andere Werke wie “Food Inc.” oder “We feed the world”, die ich zuletzt gesehen habe. Er beginnt schon recht beschaulich mit Großaufnahmen und tiefe Blicke in die Augen von Tieren, die auf kleinen Bauernhöfen leben, untermalt mit klassischer Musik. Damit wurde gleich deutlich: hier soll es um Natürlichkeit gehen, um den Erhalt der Landwirtschaft, wie man sie sich vorstellt, wie sie aber kaum noch existiert. Der Film zeigt abwechselnd, wie diese Natürlichkeit verloren gegangen ist und Beispiele von Landwirten, die sich diese Ursprünglichkeit bewahrt haben und damit durchaus erfolgreich arbeiten.
Es überwiegen jedoch ganz deutlich die Geschichten der zahlreichen Experten zur weltweiten Zerstörung der Landwirtschaft. Zunächst wird ein Zusammenhang zwischen den Weltkriegen und dem Einsatz von Pestiziden hergestellt (welche offenbar ursprünglich nicht verwendete Kampfstoffe waren, die nach dem Krieg zweitverwertet wurden). Von hier auch geht es ganz schnell zu den Chemiekonzernen wie Monsanto, welche die moderne Landwirtschaft mit Pestiziden, Dünger und Saatgut beherrschen. Von ist weltweit ein Großteil der Bauern mittlerweile abhängig geworden. Anstatt auf eigenes Saatgut zu setzen, haben sich immer mehr Bauern von hochgezüchteten Hybridpflanzen überzeugen lassen. Dabei handelt es sich um Kreuzungen verschiedener Arten. Diese haben den Vorteil, dass sie ertragreicher sind (oder sein sollen), beständiger gegen Krankheiten sind (oder sein sollen) und ein gleichmäßigeres Aussehen haben.
Natürlich sind sie trotzdem anfällig für Schädlinge oder Krankheiten, gegen diese gibt’s dann Pestizide – und zwar von den gleichen Chemiekonzernen. Darüber hinaus machen sich die Bauern von den Konzernen abhängig, denn das Saatgut dieser Hybridpflanzen ist nicht zu gebrauchen. Anstatt also das eigene Saatgut in der nächsten Saison wiederverwenden zu können, müssen sie es erneut teuer einkaufen. Dafür wiederum werden Kredite aufgenommen, welche die Bauern teilweise nur von Kredithaien erhalten. Dieser Teufelskreis führt jährlich zu hunderten Selbstmorden von indischen Bauern.
Als ein grundsätzliches Problem der Ernährung in der westlichen Welt wird in dem Film auch die Verstädterung angeprangert. Dadurch würden sich die Menschen immer mehr von der Lebensmittelproduktion entfernen und können unter Umständen kein gesundes Verhältnis zu Lebensmitteln aufrecht erhalten. Dem kann ich als Städter nur zustimmen. Man muss sich schon ganz bewusst informieren, um nicht den Bezug zu verlieren. Insbesondere an der Tierproduktion sieht man dieses Phänomen ganz deutlich. Verbraucher würden sicherlich wesentlich genauer ihr Fleisch auswählen wenn sie diesem Thema nicht so weit entrückt wären.
Natürlich zeigt der Film neben all dem Anprangern auch Beispiele wie es besser gehen kann – zumindest im Kleinen. Von der Zerstörung sind die Aussagen im Gedächtnis geblieben, von den positiven Beispielen eher die Bilder von verschiedensten Mais- oder Tomatensorten, lockerem gesundem Boden, Reisfeldern und zufriedenen Bauern.
Insgesamt finde ich den Film ganz interessant und gelungen. Er wird mit Sicherheit nicht so viel Aufmerksamkeit erregen wie andere Filme zur gesunden Ernährung und ist auch nicht ganz so kurzweilig. “Good Food Bad Food” geht jedoch noch einen Schritt weiter zurück als die meisten anderen und beschreibt nicht, wie Lebensmittelkonzerne ihre Produkte zusammenpanschen oder wie Tiere gequält oder getötet werden, sondern wie sich die Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten verändert hat und was das sowohl für die Bauern als auch für unsere eigene Zukunft bedeutet. Das hat durchaus auch bildenden Charakter. Doch nicht jeder kann dem Film etwas abgewinnen. Die Rezension der FAZ ist sehr negativ und hängt sich stark daran auf, dass man die Aussagen der befragten Experten als Normalbürger kaum belegen könne und dass die kritisierte Industrie gar nicht zu Wort komme. Allerdings kann ich mir selbst sehr gut vorstellen, wie die Aussagen von Monsanto & Co. aussehen würden. Zudem beklagt der FAZ-Redakteur, dass eine Expertin des Films zu sehr den Männern die Schuld in die Schuhe schiebt. Auch wenn mich diese indische Experten zum Ende hin zugegebenermaßen auch langsam genervt hat, kann ich einen gewissen Zusammenhang trotzdem nicht abstreiten.
Fazit: wer gern etwas mehr über Landwirtschaft erfahren möchte, weil man in der Stadt so wenig davon mitbekommt, kann sich diesen Film ruhig einmal anschauen.
Uber den Autor
Patrick ist Inhaber dieser Website. Auf gesuenderleben.org schreibt er darüber, wie er etwa 60 kg abgenommen hat, zum Vegetarier wurde und nun viel Sport treibt, um sein Gewicht zu halten (z.B. Halbmarathons laufen).







5 Antworten zu "Good Food Bad Food"
Hallo Patrick,
ganz interessant finde ich die Kritik der FAZ, die Du zitiert hast. Als ich am Donnerstag den Film im Kino gesehen habe, wurde im Anschluss auch dieses Thema diskutiert. Einer der Zuschauer beklagte, dass die Protagonisten des Films im Allgemeinen doch eher einfache Bauern seien, deren Beispiele recht unscheinbar wäre. An der Stelle frage ich mich nur: wenn es bedeutendere oder einflussreichere oder mächtigere Bauern wären, dann hätte wir doch wohl kaum das Problem einer schädigenden Landwirtschaft, oder? Es sind ja genau die “kleinen” Bauern, die die Folgen der industriellen Landwirtschaft abbekommen haben. Und genau diese haben mittlerweile Lösungen gefunden, die sie wieder unabhängig machen. Lob oder selbst Anerkennung wird es da von der Gegenseite (Industrie) wohl kaum geben…
Liebe Grüße,
Frl. Leni
Hallo Leni,
das hast Du recht. Es hätte den Film ja auch nicht gegeben, wenn die aufgezeigten Alternativen das Tagesgeschäft von Großbauern wären. Dann wäre ja alles im Lot.
Lob von der Industrie wird es natürlich nicht geben und ich sehe auch nicht, dass wir jemals wieder zu einer Art Landwirtschaft zurück kommen, wie ich sie noch bei meinen Großeltern erlebt habe.
Zurück zu “früher” ist bestimmt nicht die Lösung und kann heutzutage auch nicht so einfach funktionieren. Dafür haben wir uns einfach zu sehr weiterentwickelt, was im Grunde nichts Schlechtes bedeutet. Vielleicht liegt die Lösung aber darin, “früher” nicht zu vergessen und das Positive davon in Jetzt mitzunehmen.
Ja gut, früher war sicherlich auch zu ineffizient
Auch das ist interessant, über eine Studie die belegt, wie viel höher die Wahrscheinlichkeit ist, dass man früher stirbt, wenn man rotes Fleisch oder Fleischprodukte ißt:
“Participants in the study who ate red meat — particularly processed meat — on a regular basis were more likely to die over a 20- to 30-year period, compared with those who didn’t consume red meat regularly.”
“Our study adds more evidence to the health risks of eating high amounts of red meat,” study researcher An Pan, of the Harvard School of Public Health in Boston, said in a statement. Eating red meat has been linked with an increased risk of certain diseases, including Type 2 diabetes, coronary heart disease and stroke, but its effects on overall risk of death have been unclear.
http://news.discovery.com/human/red-meat-diet-health-death-120313.html
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