“Tiere sind mir Wurst”

Ende Dezember wurde in der ARD-Sendung “hart aber fair” zum Thema “Tiere sind mir Wurst – haben Fleischesser keine Moral?” diskutiert. Ich habe sie mir jedoch erst gestern Abend online anschauen können. Alle “hart aber fair” Sendungen sind jederzeit auf der Website des WDR abrufbar. Beiträge zu einer gesünderen Ernährung sind zu Zeiten eines Dioxin-Skandals ja sehr populär, doch diese Sendung wurde schon vorher abgedreht, daher ging es zum Glück einmal nicht um verseuchte Lebensmittel.

Der Titel war Programm – sind Fleischesser die schlechteren Menschen und sollte nicht einfach jeder Vegetarier werden? Soweit so üblich. Allerdings muss ich sagen, sind Sendungen wie diese ein Grund weshalb ich mir jahrelang gar keine Gedanken darum gemacht habe, mich jemals vegetarisch ernähren zu können. Und auch nach Frank Plasbergs Ausstrahlung bin ich mir sicher, dass wohl kein Zuschauer ernsthaft ins Grübeln gekommen ist, denn meiner Meinung nach wurden die falschen Gäste eingeladen. All jene, die Vegetarier oder gar Veganer in die Schublade “Spinner” stecken, sind doch hier nur bestätigt worden.

Aus der Vegetarier-Fraktion wurden Barbara Rütting (Tier- und Umweltschützerin, Veganerin) und Mark Benecke (Kriminalbiologe, Vegetarier) eingeladen. Auf ihrer Seite stand jedoch auch die Köchin Sarah Wiener, die sich während der gesamten 75 Minuten für gesunde Ernährung, weniger Fleischkonsum und bessere Tierhaltung einsetzte, selbst aber keine Vegetarierin ist.

Die Diskussion begann schon so, dass jeder Vegetarier, der nicht missionarisch unterwegs ist, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen muss. Auf die Frage hin, ob es denn in Ordnung sei, dass der Diskussionteilnehmer Karl-Heinz Funke Fleisch genieße, antwortete Frau Rütting: “Würden Sie denn auch Ihren Hund essen?” Später rechtfertigte sie ihren Kampf gegen den Fleischkonsum mit Jesus: “Du sollst nicht töten”. Dann wünschte sie sich, dass wir in Deutschland mehr Empathie für Tiere aufbringen würden, so wie die Bishnoi, ein Volk in Indien, dass sich den Kopf abschlagen lässt, um einen Baum oder eine Antilope zu retten. Und natürlich war schon der Satz, mit dem sie den Zuschauern vorgestellt wurde mehr als unglücklich: “Fleischesser sind in der Entwicklung stehen geblieben”. Mehr Klischee geht nicht! Die meisten Zuschauer werden sich gedacht haben: “Okay, Spinnerin. Ich hol mir eine Scheibe Wurst.”

Auch der zweite Vegetarier in der Runde konnte das Niveau nicht anheben. “Schnitzel sind Leichenscheiben” war sein Einleitungssatz. Anstatt als Biologe mit seinem Wissen mal richtig zu erklären und aufzuklären, verstieg er sich in solche sinnlosen Bilder. Auch “das ist hier wie im Knast” musste er unbedingt mehr als einmal sagen und wäre mitten in der Sendung beinahe theatralisch aufgestanden und gegangen.

Frau Rütting hatte derweil auch nichts besseres zu tun als zu erklären, wie unfair das alles sei: zwei Vegetarier gegen vier Fleischesser, das ginge so nicht. Anschließend regte sie sich auf ihrer Website über genau diesen Umstand noch einmal herrlich auf. Dabei ist das Blödsinn, da man bei Sarah Wiener den Eindruck gewinnen konnte, sie sei selbst Vegetarierin. Sie wirkte wesentlich überzeugender als Rütting und Benecke zusammen.

Und so kam es, dass aus Sicht eines Vegetariers 75 Minuten Sendezeit sinnlos vergeudet wurden, da nur Klischees bedient und bestätigt worden sind. Dabei bräuchte es einfach nur mal jemanden, der sachlich und ganz unaufgeregt argumentiert und dadurch überzeugen kann. Dass dies möglich ist, hat Jonathan Safran Foer in “Tiere essen” gezeigt.

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Patrick schrieb 62 Artikel für GesünderLeben.org

Patrick ist Inhaber dieser Website. Auf gesuenderleben.org schreibt er darüber, wie er etwa 60 kg abgenommen hat, zum Vegetarier wurde und nun viel Sport treibt, um sein Gewicht zu halten (z.B. Halbmarathons laufen).

4 Antworten zu "“Tiere sind mir Wurst”"
  1. Antworten Leser fragen J.S. Foer | GesuenderLeben.org - Erfolgreich abnehmen, Vegetarismus, Laufen 28. Januar 2011 22:08 pm

    [...] deshalb viel konsumiert wird, während andere Vegetarier nur meinen, dass Fleisch eklig oder ein Schnitzel eine Leichenscheibe wäre und von jedem Fleischesser schon nicht mehr ernst genommen werden. Außerdem erklärt er, [...]

  2. Antworten Julia Gaedcke 20. Mai 2011 14:15 pm

    Ich habe diese Sendung auch gesehen und habe mich von einem Wutanfall in den nächsten reingesteigert… Von sinnigen Argumenten für weniger Fleichkonsum oder Vegetarismus war nichts zu hören! Aber am schlimmsten war der Typ mit der Schinken-Firma: “Ja, die Weltbevölkerung steigt stetig, diese Menschen müssen ernährt werden und das geht eben nur über eine gesteigerte Fleischproduktion!” An dieser Stelle wäre ich am liebsten in den Fernseher gestiegen… So ein Idiot! Plasberg hat es noch nicht mal hinbekommen, dieses bekloppte “Argument” zu entkräften. Dabei ist es doch so falsch! Das Problem ist wirklich die Unwissenheit der Leute…

    • Antworten Patrick 23. Mai 2011 12:36 pm

      Ja, diese falschen Argumente wurden einfach nicht im richtigen Moment entkräftet und schon glauben wieder ein paar Menschen mehr, wir bräuchten Tiere, um die Menschheit zu ernähren.

  3. Antworten David Williams 3. Mai 2012 14:49 pm

    Diese Seite gibt auch wichtige Impulse, warum es nicht nur gesünder ist, sonder für die Welt und die Umwelt besser ist, auf Fleisch zu verzichten:
    http://www.care2.com/greenliving/eating-less-meat-best-for-world.html
    Dazu noch die Studie die in Zahlen belegt, wie ungesund rotes Fleisch ist:
    http://news.discovery.com/human/red-meat-diet-health-death-120313.html

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